Alpha Wings Flight Simulation 737

Flugunterricht/Flugstunden

Fliegen aus Leidenschaft

Germering - Der Traum vom Fliegen – für Lothar Meßner ist er wahr geworden. In jahrelanger Kleinarbeit hat sich der Germeringer das Original-Cockpit einer Boeing 737 nachgebaut. Hochleistungs-Computer simulieren jede nur erdenkliche Situation, mit der Piloten in der Luft konfrontiert werden können. Jetzt öffnet Kapitän Meßner sein Cockpit für die Öffentlichkeit.

 Vor den Cockpitfenstern taumeln die Schneeflocken zu Boden als Lothar Meßner die Boeing auf die Startbahn lenkt. Ein letzter Check: Treibstoffpumpen: in Betrieb. Flugplan: eingegeben. Startlichter: blinken. Klappen: Position fünf. Dann drückt Meßner die Schubhebel nach vorne. Die Triebwerke heulen auf, immer schneller zieht die Startbahn vorbei. Geschwindigkeit V1: 150 Knoten – jetzt gibt es kein zurück mehr, die Nase der 737 reckt sich in die Höhe. V2 – die über 50 Tonnen schwere Maschine steigt in den Stuttgarter Nachthimmel. Es ist ein Szenario, wie Meßner es schon hunderte Male durchgespielt hat, seit er sich vor 25 Jahren seinen ersten Flugsimulator zugelegt hat. Ein einfacher Bildschirm mit pixeligen Bildern war es damals – Lichtjahre entfernt von dem, was der 51-Jährige heute in einem kleinen Schuppen neben seinem Haus im Osten Germerings stehen hat.

„Die Fliegerei fasziniert mich schon seit meiner Kindheit“, sagt Meßner. Doch wie für so viele junge Männer, die ihre Zukunft am Steuer eines Jets sehen, bleibt die reale Fliegerei ein Traum. Doch die moderne Computer-Technik gibt dem Familienvater eine zweite Chance. Vor acht Jahren beginnt Meßner mit dem Bau seiner Boeing 737 im eigenen Garten. Der Autoverkäufer legt Wert auf Authentizität – alles soll so realistisch wie möglich sein. Jeder Kippschalter, jeder Knopf, jedes Rädchen – und davon gibt es unzählige in Meßners Cockpit – funktioniert. Die nötigen Teile kauft er sich in der ganzen Welt zusammen. Die Schubhebel-Einheit kommt aus Spanien, der Autopilot aus Berlin, das Cockpit-Gehäuse lässt er sich aus Portugal liefern. Das Wissen, wie man aus den tausenden von Einzelteilen einen funktionierenden Flugsimulator baut, eignet sich Meßner selbst an. Er stöbert im Internet, unterhält sich mit Piloten, liest Bücher – und einmal darf er tatsächlich im Cockpit einer 737 mitfliegen.

Doch es gibt auch Rückschläge. Vor allem die Software treibt dem 51-Jährigen manchmal die Zornesröte ins Gesicht. „Wir haben hier zwei Hochleistungs-Rechner. Wenn die nicht perfekt zusammenarbeiten, lässt einen das verzweifeln.“ Die Kinderkrankheiten hat Meßner aber längst hinter sich gelassen. Jetzt läuft sein System stabil. Und der Hobby-Pilot ist stolz auf das, was er da hinter seinem Haus geschaffen hat. Was auch immer über den Wolken, im Landeanflug oder auf dem Rollfeld passieren kann – Meßner kann es simulieren. Über 3000 Flughäfen auf der ganzen Welt hat er im Programm, dazu Schnee, Scherwinde, Gewitter, vereiste Tragflächen, Triebwerksausfälle, Vogelschlag oder kaputte Instrumente. Meßner lebt sein Hobby. Das sieht man auch an seiner Piloten-Uniform, die er sich eigens angefertigt hat.



Kaptain Meßner fliegt bereits
seit über 25 Jahren im Flugsimulator
und hat sich mit dem
Cockpitnachbau einen
Traum erfüllt. Er hat inzwischen
mehr als 5000 Flugstunden
gesammelt und freut
sich immer noch auf jeden
einzelnen Flug.
Auf die Frage, warum er
nicht sich nicht früher zu einer
Pilotenausbildung beworben
hat, sagt er: „Die Aufnahmekriterien
sind sehr hart.
Vor allem die Lufthansa
nimmt nur die Besten der
Besten. Ich habe mal privat
begonnen, einen Pilotenschein
zu machen, aber die
kleinen Maschinen haben
mich nicht so interessiert. Ich
wollte lieber wieder in die
großen.“
Am Ende sind wir heil in
München gelandet. Die simulierte
Sonne ist auch schon
untergegangen und wir rollen
langsam zum Gateway.
1,86 Tonnen virtuelles Kerosin
haben wir verbraucht und
zur Verabschiedung schüttelt
mir der Kapitän in seinem
Garten die Hand.
Auf die Frage, ob er auch
ab und an mit seiner Frau in
den computeranimierten Urlaub
fliegt, sagt der 53-Jährige:
„Nein, sie setzt in der Regel
keinen Fuß hier rein. Aber sie
hat nichts dagegen. Sie weiß,
das ist mein Baby. Und wenn
ich fliege, schaut sie einfach
fern.“
Ich habe
einen Linienpiloten im Ruhestand,
der ab und an
kommt, um wieder mal fliegen
zu können. Aber auch
Menschen mit Flugangst
kommen, um ihre Angst in einer
sicheren Umgebung abzubauen“,
sagt Meßner.
Mittlerweile sind wir auf
der Startbahn des Flughafens
in Linz angekommen und haben
vom Tower die Starterlaubnis
erhalten. Jetzt ist
Konzentration gefragt. Die
Klappen werden eingestellt
und der Schub beschleunigt
das Flugzeug auf fast
300 Stundenkilometer bis wir
langsam abheben. Was sich
jetzt nach einem einfach
Computerspiel anhört, ist in
der Tat Schwerstarbeit und
mit der Tätigkeit eines echten
Piloten durchaus zu vergleichen.
Denn das Programm,
welches den Flug simuliert,
erzeugt auch Fehler und Probleme.
In unserem Fall springen
die Klappen, die das Flugzeug
bei Start und Landung
braucht, immer wieder in ihre
Originalposition zurück und
das muss Meßner jedes Mal
aufs Neue korrigieren.
Einmal in der Luft übernimmt
der Autopilot den weiteren
Flug und wir können
uns ein wenig unterhalten.
Während das Flugzeug die im
Flugplan eingegeben Waypoints
– sozusagen Wegweiser
für die Luft – abfliegt, erklärt
der Hobbypilot, was es
Kinderkrankheiten ausgeräumt“,
erzählt der 51-jährige
Hobbypilot. Insgesamt hat
der im wahren Leben als Autohändler
arbeitende Meßner
wohl das Geld, das man für
einen neuen, hochwertigen
Mittelklassewagen ausgeben
müsste, in sein Hobby investiert.
Jetzt soll sich das Investment
auch ein wenig rentieren.
Seit einem Jahr gibt es
seine Firma Alphawings. Hier
können Interessierte Flugstunden
buchen und entweder
als Co-Pilot hautnah bei
einem Flug dabei sein oder als
es auch den klassischen „Bitte
anschnallen“-Hebel, der
natürlich für den Start umgelegt
sein muss.
Alles in allem ist das Cockpit
– bis auf die sehr platzintensive
Funkeinheit, die fehlt
– original nachgebaut. Für
den Flug beziehungsweise
dessen Simulierung arbeiten
zwei Hochleistungsrechner
zusammen, um Echtzeitdaten
und auch echte Wetterdaten
ohne Unterbrechung darzustellen.
„Bis die Software so
funktioniert hat, wie ich das
wollte, hat es einige Zeit gebraucht,
aber jetzt sind die
Sobald der Besucher dann
Platz genommen hat, fällt ihm
auf, wie realistisch hier alles
ist.
Aus versteckten Boxen ist
simulierter Funkverkehr zu
hören. Ein Blick aus den
Cockpitfenstern zeigt den
Flughafen von Linz – er ist auf
Leinwände projiziert. „Heute
fliegen wir von Linz nach
München“, begrüßt mich
Meßner, wie es ein echter Kapitän
mit seinen Passagieren
tun würde. Apropos Passagiere:
An den unzähligen Schaltern
und Hebeln die sich über
und vor mir ausbreiten, gibt
Der Germeringer Hobbypilot
Lothar Meßner ermöglicht
in einem Simulator
im heimischen Garten
Flugtraining mit einer
Boeing 737. Das Flugabenteuer
fühlt sich täuschend
echt an.
VON TOM ELDERSCH
Germering – Direkt an der
Landsberger Straße steht in
einem Garten ein kleiner, aus
Holzlatten zusammengebauter
Verschlag an dem zwei
Vorhängeschlösser angebracht
sind. Doch in dem
kleinen Gartenhäuschen sind
weder Polstergarnituren noch
Gartenwerkzeug verstaut,
sondern eine Boing 737. Zugegeben
kein ganzes Flugzeug,
aber dennoch eine fast
detailgetreue Kopie des
Cockpits einer solchen Maschine.
Unter dem Firmennamen
Alphawings bietet hier
Lothar Meßner Flüge in seinem
täuschend echten Flugsimulator
an.
Als die Tür zu dem unscheinbaren
Raum geöffnet
wird und die spärliche Beleuchtung
das Cockpit samt
Innenausstattung offenbart,
kommt langsam die Aufregung,
die man vor einem Flug
spürt, auf. Eine kleine Stufe
und zwei gebrauchte aber originale
Stühle aus echten Linienmaschinen
sind zwar zunächst
alles, was man sieht.